Landschaft

Bilder sind einerseits unbestimmter, andererseits aber auch genauer.
Dieser Satz eines Kunstwissenschaftlers ist bei mir haften geblieben. Sehen wir genauer hin, so gesellt sich zur Mehrdeutigkeit der Bilder auch eine Vielfalt stilistischer Mittel. Die Malerin Hanna Lis zieht es immer wieder in die Ferne. Wir haben den Niederschlag von Australien, Wales und Kreta vor uns.

Die Verarbeitung des Geschehens bestimmt den Stil der Malerin. Darin liegt nur wenig bewusste Entscheidung.
Es ist eher ein Kompass des Unbewussten, das sich zur Geltung zu bringen versucht. Und ich glaube, das macht es aus, dass wir in diesen Bildern nicht, oder mindestens nicht auf den zweiten und dritten Blick, Eindeutiges sehen, sondern - fast im Traum – das Mehrdeutige.
Das gibt ihren Bildern den Akzent.

Ich will die vielen kleinen Formate nicht vergessen, die nach den Titeln auf oder in der Nachbereitung von Reisen entstanden sind. Deshalb sind sie aber noch lange keine Reisebilder. Es sind vielmehr Impressionen aus den Erfahrungswelten der Malerin, ganz subjektive, mehr atmosphärische Schilderungen eines Motivs.
Aber, wer in Kreta war oder Australien kennen gelernt hat, der erinnert sich bei diesen Bildern sofort an eigenes Erleben und Empfinden, fühlt sich bei aller Abstraktion zurückversetzt in einzigartige Situationen, die auszudrücken man in dieser Differenziertheit und Intensität nicht in der Lage ist.
Hanna Lis aber kann es.
Sie nimmt uns mit zu den Traumpfaden Australiens und der Farbigkeit der Minoer. Und wir folgen ihr gern.

Hanna Lis hat sich intensiv mit der Mythologie der Aborigenes befasst, mit ihrer Traumzeit und ihrem Verhältnis zu den Ahnen, zu ihrem Land und zu ihren Heiligtümern.
Ihre Bilder des Ayers Rock sind geprägt von tiefem Einfühlungsvermögen und Respekt diesem Denken gegenüber.
Das zeigt sich intensiver noch in den Gemälden, die in der Reflexion ihrer Erlebnisse in Australien entstanden sind.